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In memoriam:
Dr. Ursula Broermann
In memoriam:
Dr. Ursula Broermann
14. März 1958 - 09. Juni 2008

Ohne Frau Dr. Ursula Broermann würde es den DIPB nicht geben. Sie hatte eine Vision: Barrierefreiheit für alle. Im eigenen Umfeld, im öffentlichen Raum.

Bereits in der seit 1986 bestehenden Interessengemeinschaft „Behindertengerechtes Planen und Bauen“, einem Zusammenschluss Stuttgarter Selbsthilfegruppen und Behinderteneinrichtungen war Frau Dr. Broermann als 1. Vorsitzende engagiert. Aus dieser Interessengemeinschaft ging am 25.01.1994 der „Dachverband Integratives Planen und Bauen Stuttgart e.V.“ hervor. Die Gründungsversammlung fand im Landtag von Baden-Württemberg statt. Von den damals 22 Gründungsmitgliedern waren 6 juristische Personen. Damit gingen die vorangegangenen Aktivitäten der IG „Behindertengerechtes Planen und Bauen“ in einem neuen Dachverband auf. Bereits ein Jahr später war die Mitgliederanzahl – unter ihnen Betroffene, Architekten und Einzelpersonen - auf 29 angewachsen, und heute hat der Verband 55 natürliche und 9 juristische Mitglieder mit steigender Tendenz.

Seit der Gründung des DIPB war Frau Dr. Broermann als erste Vorsitzende ehrenamtlich tätig. Im Jahr 2006 musste sie dieses Amt aus Gesundheitsgründen leider abgeben. Als Mitglied im Vorstand des DIPB war ihr Rat aufgrund ihres profunden Wissens aber nach wie vor gefragt.

Frau Dr. Broermann hat sich mit enormem Engagement und Nachdruck für die Barrierefreiheit der baulich gestalteten Umwelt eingesetzt. Auf ihre Initiative und tatkräftige Mitarbeit befasste sich der DIPB von Anfang an mit einer Vielzahl von Themen und Arbeiten, von denen hier nur einige zu nennen sind:

  • Lobbyarbeit bei Ämtern, Behörden und Ministerien
  • Gespräche mit Gemeinderäten und Landespolitikern sowie Verbänden der Region Stuttgart und des Stuttgarter Nahverkehrs
  • Fotoausstellungen
  • Beratung von Bauherren im privaten und öffentlichen Bereich
  • Vorträge und Beteiligung an Diskussionen
  • Unterrichts- und Fortbildungsveranstaltungen
  • Erstellung von Hilfsmaterial für Architekten und Bauherren (Checklisten)

Mitte der 1990er Jahre initiierte und erarbeitete sie auf Grundlage der DIN 18024 und 18025 in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Baden-Württemberg ausführliche Checklisten zu folgenden Themen:

Teil A: Außenanlagen

Teil B: Öffentliche Gebäude, Arbeits-, Freizeit- und Vergnügungsstätten

Teil C: Barrierefreies Wohnen

Teil D: Rollstuhlgerechtes Wohnen


Diese Checklisten stehen bis heute Planern und Architekten als Instrument zur Planungsprüfung und Hilfestellung zur Verfügung und können hier aus dem Internet abgerufen werden.

Für die Barrierefreiheit im privaten Wohnbereich sowie in öffentlichen Gebäuden, Arbeitsstätten und im öffentlichen Raum und für den Verein engagierte sich Frau Dr. Broermann unermüdlich. Viele barrierefreie Stellen in Stuttgart sind dauerhafte Zeichen dieser von ihr als Lebensaufgabe empfundenen Tätigkeit.

Für diese Verdienste um das Allgemeinwohl und ihr Engagement für behinderte Menschen hat der Bundespräsident Frau Dr. Ursula Broermann am 11. November 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Seit ihrem Unfall 1985 konnte sie sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Im Jahr 2004 wurde bei ihr die unheilbare Nervenerkrankung Amyothrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert. Gegen diese Krankheit hat sie sich bis zuletzt mit unglaublicher Willenskraft gestemmt.


Ein Leben für die Barrierefreiheit

Es ist unmöglich, alle Aktivitäten von Frau Dr. Broermann im Rahmen der Tätigkeit in Bezug auf Barrierefreiheit aufzuzählen. Nachfolgend lediglich einige Highlights.

Bei der Veranstaltung „Tag behinderter Menschen im Parlament“ hat Frau Dr. Broermann vom 1. Tag an (1995) an der Vorbereitung und Durchführung jeweils an aktiver Stelle mitgearbeitet. Selbst als sie schon schwer von der Krankheit gezeichnet war, lies sie es sich nicht nehmen, im Jahr 2007 an der Veranstaltung im Landtag teilzunehmen.

Ein weiteres Highlight war die Auslobung des ersten Architekturpreises „Beispielhaftes Barrierefreies Bauen“ des Dachverbandes Integratives Planen und Bauen im Jahr 2003, gemeinsam mit der Architektenkammer Baden-Württemberg. Dieser Preis war vor allem auf Grund ihres Einsatzes ein voller Erfolg und wurde im Jahr 2007 ein weiteres Mal verliehen.

Wie bereits erwähnt, ist es unmöglich die vielen Sitzungen, Vorträge, Veröffentlichungen, usw. aufzuzählen, an denen Frau Dr. Broermann teilgenommen hat, bzw. die sie gehalten oder geschrieben hat.

Der DIPB wurde durch diese Tätigkeiten bekannt bei Stadtplanern bzw. Bauträgern und wird heute als kompetenter Partner bei vielen Projekten konsultiert. Diese Wertschätzung drückt sich auch dadurch aus, dass von 1994 bis 2006 Herr Prof. Hansmartin Bruckmann, ehemaliger Baubürgermeister der Stadt Stuttgart die Schirmherrschaft des DIPB wahrnahm. Dieses Amt wurde 2006 von Herrn Matthias Hahn, dem jetzigen Baubürgermeister von Stuttgart übernommen.

Alle diese Aktivitäten, bei denen sie sicher oft auch an ihre gesundheitlichen Grenzen gestoßen ist, hat Frau Dr. Broermann ehrenamtlich unternommen. Durch ihr großes Wissen, ihre freundliche Art und ihr kompetentes Auftreten hat sie sich hohes Ansehen und Respekt erworben.

Der Dachverband Integratives Planen und Bauen ist Frau Dr. Ursula Broermann für ihr außerordentliches persönliches Engagement zu großem Dank verpflichtet. Sie war uns eine liebenswerte Freundin und Mitstreiterin für die Belange behinderter Menschen. Sie bleibt in unseren Herzen in guter Erinnerung.


Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
 
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Dr. Ursula Broermann, Gründerin des DIPB †2008